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Denkanstoß „Stolz auf das eigene Werk“

„Machen ist gut – gemacht haben ist uninteressant“, sagte Karl Lagerfeld einmal über seine kreativen Modedesign-Prozesse. Stimmt das – und: Was wäre förderlicher für kreative Prozesse?

Stolz ist bei uns in Deutschland eine ziemlich verpönte Sache. Man stellt sein Licht lieber unter den Scheffel, frau besonders. Stolz wäre jedoch genau die angemessene Reaktion auf ein Werk, in dem so viel Mühe und eigene Gedanken stecken wie etwa in einem Text. Stolz und Nachfreude sind eine Selbstbelohnung, und sie wirken sich auf das nächste Schreibprojekt aus: Sie schwappen ins neue Projekt hinein und nehmen uns mit in die nächste Vorfreude.

 

Vier Ursachen für Stolzschwäche habe ich gefunden: Neid. Verwechslung. Geringschätzung von Schreibleistungen. Mythen.

1. Neid ist die deutsche Form der Anerkennung. Diese Sicht ist nur ein schwacher Trost, der Stolz ist dann meist dennoch vergällt. Die meisten von uns sind dem Neid in ihrem Leben ausgiebig begegnet – bei Geschwistern, Mitschülerinnen, Kommilitonen und Kolleginnen – und bei sich selbst, und sind dementsprechend vorsichtig mit der stolzen Präsentation eigener Leistungen geworden.

2. Stolz wird auch oft mit Angeben und Protzen verwechselt – und dann abgewertet, wenn man insgeheim denkt: „Eigenlob stinkt“.

3. Schreiben: keine große Sache? Das ist eine Geringschätzung des hoch anspruchsvollen und fordernden Schreibprozesses.

4. Ein vierter Stolzgegner ist die gängige Sicht auf schöpferische Prozesse – wie etwa bei Karl Lagerfeld: “Machen ist gut, gemacht haben ist uninteressant.“ Das ist oft nur ein Mythos, und wir können viel dafür tun, die Zeit nach dem „Machen“ interessant und freudvoll zu empfinden.

 

Vor ein paar Tagen besuchte ich die Frankfurter Buchmesse, und am Verlagsstand von Droemer Knaur fand ich mein Buch „Innerlich frei“ im riesigen Buch-Rondell, das bis unter die Decke der Messehalle reicht. Und da merkte ich erst richtig: Ich bin unglaublich stolz auf dieses Buch! An dem ich drei Jahre gearbeitet habe. Das nächste Woche erscheint. Ich habe Fotos gemacht, wir haben einen Film gedreht und gefeiert, und ich bin glücklich, voller Freude und Stolz auf mein Buch.

 

Sei auch du stolz auf Selbstgeschaffenes. Kultiviere die Nachfreude. Feiere: mit anderen, für dich allein. Sieh dir dein eigenes Werk in Ruhe an, mutig und neugierig. Halte einen Moment inne und genieße – das eigene Werk.

 

Alle offenen Seminare von mir findest du hier – z.B. „Selbstcoaching mit Logosynthese“ ist bestens geeignet bei Stolzproblemen.

 

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Foto: © Verlagsgruppe Droemer Knaur / Caroline Gros: Ulrike mit ihrer Lektorin von der Verlagsgruppe Droemer Knaur und mit ihrem neuen Buch „Innerlich frei“

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